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Sächsische Zeitung, 18. Mai 2007


Sächsische Zeitung
Freitag, 18. Mai 2007

Im Netz ist der Kunde König>/b>
Von Katlen Trautmann

Eine Existenz als Unternehmer lässt sich im Internet durchaus aufbauen. Heike Schneider aus Dresden kann aus dem „Nähkästchen“ plaudern. Als Versandleiterin im Familienunternehmen „Tie-Center Bargain-Store“ schickt die 37-Jährige jeden Monat 1500 Pakete raus. Krawatten „made in Italy“ ordern die Kunden über die Auktionsplattform Ebay. Die Familienfirma lässt in Lohnproduktion fertigen. „Kaufmännische Grundkenntnisse helfen im Netz, zur Not reicht anfangs Bauernschläue“, sagt sie. Das „A und O“ aber sei, die Hilfeseiten und Tools des Internethandels zu studieren. „Drei, zwei, eins, meins“ gilt nur, wenn sich Käufer und Verkäufer an Regeln halten.

Aber an welche? Damit beginnen die Probleme. „Beim Online-Handel gibt es viele offene juristische Fragen“, räumte Rechtsanwalt Uwe Schlömer aus Hamburg kürzlich am Rande der „Ebay-University“ in Dresden ein. Auf der Informationsveranstaltung informierten sich vor allem viele Großhändler, sogenannte Powerseller, über ihre Rechte und Pflichten.

Abmahnungen immer häufiger

„Abmahnungen haben seit anderthalb Jahren stark zugenommen“, so Schlömer. Hintergrund ist ein harter Wettbewerb. Oft beauftrage ein Händler einen Anwalt, um die Konkurrenz in Schach zu halten. Der Versand „Allgemeiner Geschäftsbedingungen“ sei für Unternehmer Pflicht. Web-Kunden können einen Kauf innerhalb eines Monats widerrufen und die Waren ohne Originalverpackung zurück senden. „Je nach Einzelfall wird die erstattete Summe etwas gemindert.“ Anderslautende Klauseln bleiben wirkungslos. Versandkosten müssen vorab ins Netz gestellt sein. „Auf Nachfrage“ genüge nicht.

Die meisten Fallstricke lauern aber in der Werbung. Als Klassiker gilt die Zusicherung „lebenslange Garantie“, sagt Schlömer. „In Deutschland können Sie nur 30 Jahre Garantie geben. Laut Bürgerlichem Gesetzbuch erlöschen danach Ansprüche jeglichen Zuschnitts“, erläutert der Anwalt. Das Wort „Garantie“ sollten Händler aus dem Wortschatz streichen, „Gewährleistung“ reiche aus. In der Artikelbeschreibung soll nur auftauchen, was der Kunde für eine Entscheidung wissen muss. Angebote für Autoreifen dürfen danach die Größe, nicht aber die passenden Automarken nennen. Floskeln wie „Neben Sonnenbrillen von Gucci bieten wir welche von Joop und Armani“ sind ebenfalls unzulässig. Vorsicht auch mit „Testsiegern“. Dabei muss immer stehen, wer wie viele Produkte wann getestet hat – auch, wie viele besser abschnitten. Mit der „unverbindlichen Preisempfehlung“ des Herstellers könne man zwar werben, müsse dies aber erklären. Kürzel wie „UVP“ oder „UEP“ genügten nicht.

Für die Zukunft rechnet Schlömer mit mehr Abmahnungen wegen Angaben zur Umweltverträglichkeit von Elektrogeräten.

Bei Ebay fahndet zudem eine „Marktplatz-Polizei“ von 100 Mann nach verbotenen Waren und Bietmethoden. „Abmahnungen schicken wir bei Angeboten von Waffen, Nazi-Sachen und Plagiaten“, sagte Ebay-Sprecher Alexander Witt. Massiver Ärger droht, wenn Händler Scheinbieter anheuern, um die Preise hochzutreiben. Wie die erwischt werden, will Witt nicht sagen. „Im Netz hinterlässt man viele Spuren“, hält er sich nebulös. Als härteste Sanktion droht der Ausschluss. Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes muss Ebay den Verkauf von klar erkennbaren Fälschungen verhindern.

Heike Schneider macht im Netz Umsatz und beliefert ein Dresdner Geschäft. Trotz harter Regeln zeigt sie sich vom Geschäftsmodell Internet überzeugt. „Für einen Laden muss man finanziell in Vorleistung gehen – für Miete, Warenlager und Angestellte“, beschreibt sie. Der Online-Shop lasse sich dagegen im Wohnzimmer gründen.

 

Katlen Trautmann • Tel.: 0351 31 777 81 • Fax: 3222 375 4 357 • Funk: 0171 26 66 354 • Email: katlen.trautmann@t-online.de

 
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