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Bio-Kunststoffe ästhetisch ansprechender

Knusprig knacken die Pommes beim Schmaus. Die bunte Schale samt Ketchup-Resten wird mitge- gessen - oder fliegt auf den Kompost. Sie landet neben Einweggabeln, Kartoffelsäcken oder Einweghandschuhen aus biologisch abbaubarem Kunststoff. Oft kommen Öko-Materialien in tristen Farben daher. Doch künftig könnten umweltverträgliche Pigmente aus Pflanzen Öko-Materialien ein buntes Aussehen verleihen.

Bio-Kunststoffe gewinnen Farbe
Experten der Dresdner Firma "Ingenieurbüro für Verpackung" entwickelten Farbstoffe für Bio-Kunststoffe aus so genannten "Färberpflanzen" . Die farbgebenden Eigenschaften dieser Gewächse nutzen Menschen seit Jahrhunderten, beispielsweise beim Färben von Kleidern mit Indigo. "Biocolor", so der Name der neuen Farbstoffe, könnte die derzeit gängigen Pigmente bei Öko-Kunststoffen ablösen. "Für Rot, Blau, Grün, Schwarz, Weiß, Braun und Gelb steht das Verfahren im Labormaßstab", sagt Alexander Ach von der Projektgruppe. Aus Wurzeln von Krapp-Pflanzen stammt sattes Alizarin-Rot, Färberwau oder Reseda liefert gelbe Pigmente, Indigo wird aus den Blättern der gleichnamigen Pflanze gewonnen. 20 bis 30 Gramm "Biocolor" pro Kilo Kunststoff sorgen für satte, deckende Farbtöne. Die Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe in Mecklenburg-Vorpommern fördert die Forschungen. Trägermittel der neuen Farben ist ein schon früher mit Förderung des Bundeswirtschaftsministeriums entwickeltes Granulat. Dieses erwies sich nicht nur als gut biologisch abbaubar, sondern auch als Neuheit am Markt: keine andere Firma in Europa bietet ein solches Trägermittel als Feststoff. Bislang gelten Flüssigkeiten als üblich, obgleich diese umständlich zu verarbeiten sind.

Kennzeichen: gute Umweltverträglichkeit
Labortests am Internationalen Hochschulinstitut Zittau belegen die Umweltverträglichkeit von "Biocolor". "Die Farbpartikel beschleunigen den Abbau der Kunststoffe mitunter sogar", so Alexander Ach. Blauer Bio-Kunststoff zerfällt am schnellsten, gelber am langsamsten. Alle Proben waren bei den Untersuchungen nach rund 50 Tagen zu über 90 Prozent zersetzt. Laut DIN-Norm darf sich der Zerfall bis zu 180 Tagen der Fall hinziehen. Was danach im Boden verblieb, hatte auf darauf ausgesäte Kressepflanzen unterschiedlich starken Einfluss: Auf genormtem Kompost, der rote und weiße Pigmente enthielt, gediehen die Pflänzchen prächtig. Gelb und Grün ließ sie kränkeln.

Markt für Bio-Kunststoffe ausbaufähig
Kommendes Jahr sollen die Bio-Farbstoffe patent- und produktionsreif sein, hoffen die Wissenschaftler. Bislang werden Bio-Kunststoffe mit petrolchemisch erzeugten Pigmenten oder Lösungen gefärbt. Doch jene bleiben später als schwer abbaubar zurück. Europaweit beträgt der Umsatz an Bio-Kunststoffen jährlich rund 300 000 Tonnen. Hingegen kommen mehrere Millionen Tonnen herkömlicher Folien, Plaste und Kunststoffe zum Verbrauch.

Katlen Trautmann

 

Katlen Trautmann • Tel.: 0351 31 777 81 • Fax: 3222 375 4 357 • Funk: 0171 26 66 354 • Email: katlen.trautmann@t-online.de

 
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