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Deutsche Presseagentur

Wissenschaft
Gezeiten bei Wasser unter dem Eispanzer des Südpols erstmalig nachgewiesen =

Dresden (dpa/sn) - Seen unter dem antarktischen Eis unterliegen Gezeiten wie Meere und Ozeane. Dieses Phänomen haben Wissenschaftler aus Deutschland zusammen russischen und japanischen Kollegen nachweisen können. Experten des Institutes für Planetare Geodäsie der Technischen Universität Dresden untersuchten dafür den Lake Vostok in der Antarktis, teilte der Koordinator der Polarforschung der deutschen Hochschulen, Professor Reinhard Dietrich, mit. Nach eigenen Angaben belegen die Forschungen weltweit erstmalig die Existenz dieses Naturphänomens in Gewässern unter dem ewigen Eis. Die Resultate werden im April der Fachwelt vorgestellt. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat das Projekt gefördert

Die Oberfläche des Sees hebt und senkt sich in Abhängigkeit von der Entfernung der Erde zu Sonne und Mond um ein bis zwei Zentimeter, ergaben Messungen per Satellit und vor Ort. Diese Effekte seien im Vergleich zu denen in Ozeanen zwar klein, würden aber dennoch an der Eisoberfläche messbar sein. Vergleiche von aus der Luft und vom Boden gewonnener Daten belegten darüber hinaus die Genauigkeit von Messungen über Satellit. Solche Messverfahren aus der Luft können nach Dietrichs Worten künftig bei der Erkundung von Himmelskörpern – beispielsweise auf der Suche nach flüssigem Wasser auf Jupitermonden - eingesetzt werden.

Die Wissenschaftler gehen weiter davon aus, dass die Schwankungen des Wasserpegels einen Pumpen-Effekt und damit eine Zirkulation innerhalb des Sees in Gang halten. Diese Zirkulation gilt als wichtige Bedingung für das Überleben von Mikroorganismen im See.

Der mehr als tausend Meter tiefe Lake Vostok liegt unter einer rund 4000 Meter dicken Eisschicht. Das etwa 1000 Kilometer von der Küste entfernte Gewässer erstreckt sich über 250 Kilometer Länge und rund 50 Kilometer Breite. Auf Satellitenfotos ähnelt seine Form dem kanadischen Ontario-See. Experten gehen nach Angaben Dietrichs davon aus, dass der See möglicherweise seit mehreren Dutzend Millionen Jahren ohne Austausch mit der Erdatmosphäre existiert. Deshalb schließen Wissenschaftler die Existenz von urzeitlichen Mikroorganismen im Wasser nicht aus. Eine frühere Bohrung von der Station Vostok bis in 3600 m Tiefe wies die Existenz von Mikroben im Eis dicht über dem See nach. Deren genaue Herkunft ist jedoch umstritten.

Der See rückte ab den 1960er Jahren aufgrund von Berichten sowjetischer Expeditionen erstmals in das Blickfeld der Wissenschaft. Die Forscher berichteten seinerzeit über ovale Senken, die gefrorenen Seen ähnelten. Radarmessungen gaben ab 1968 erste Hinweise auf große glatte Flächen an der Eisunterseite der Senken, auf deren Oberschicht die Sowjetische Station Wostok Quartier bezogen hatte. Satellitendaten aus den 1990er Jahren zeigten, dass die Station auf dem See liegt. Die Entnahme von Proben des Wassers und der Sedimente auf dem Grund stellt die Forscher derzeit vor Probleme. Die Erforschung des Sees stellt einen der Schwerpunkte des Internationalen Polarjahres 2007/2008 dar.

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April 2005

 

Katlen Trautmann • Tel.: 0351 31 777 81 • Fax: 3222 375 4 357 • Funk: 0171 26 66 354 • Email: katlen.trautmann@t-online.de

 
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