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Ärztezeitung, 16.03.2007


FRANKFURT AM MAIN. Im Uniklinikum der Johann Wolfgang von Goethe Universität in Frankfurt am Main ist das Telefonieren mit Mobiltelefonen seit kurzem erlaubt. Ausgenommen sind Intensivstationen und OP-Bereiche. In vielen anderen Krankenhäusern gilt das Verbot indes weiter - obwohl sich Auswirkungen auf Medizintechnik-Geräte nicht nachweisen lassen.

Von Katlen Trautmann

Strahlen könnten das sichere Funktionieren medizinischer Geräte einschränken, lautet die Begründung für das Handyverbot in einigen Krankenhäusern. Mehrere Studien können dieses Argument allerdings nicht stützen. Die Klinikleitung in Frankfurt begründete ihre Entscheidung mit Erfahrungen anderer Kliniken sowie mit Studien über Strahlengefahren der Wissenschaftler Werner Irnich und Rolf Tobisch von der Universität Gießen.Irnich hatte vor acht Jahren nachgewiesen, dass von Handys kein nennenswerter Einfluss auf die in Krankenhäusern üblichen medizintechnischen Geräte ausgehen. "Wenn das Handy einen Meter von den Geräten entfernt ist, kann nichts passieren", fasste Irnich zusammen. Ein Handyverbot sei daher nicht haltbar, meint er.Die Forscher hatten insgesamt 224 medizinische Geräte aus 23 Gattungen auf ihre Strahlenanfälligkeit untersucht, darunter Infusionspumpen und Defibrillatoren. Diese wurden über eine Basisstation C-, D-, und E-Netzen ausgesetzt. Das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte hatte die Studie mitfinanziert."Die Hälfte der untersuchten Geräte reagierte gar nicht", sagt Professor Irnich. "Bei den anderen mussten wir für eine messbare Reaktion die Handys an die Lüftungsschlitze halten." Heute würden die Resultate noch positiver ausfallen, ist sich Irnich sicher. "Mobiltelefone von heute senden weniger als ein Fünftel der Strahlung damaliger Handys aus", erläuterte der Mediziner. Anders als früher werde beim Gerätebau auf Schutz vor Hochfrequenzstrahlen geachtet.Die Funkgeräte der Sanitäter hätten sich in Studien am ehesten als störend erwiesen. "Man verbietet Patienten den Gebrauch von Handys, dabei benutzen neben Rettungssanitätern auch Ärzte - zum Beispiel Anästhesisten - Mobiltelefone", kritisiert Irnich. Widersprüchlich sei auch, Handys zu verbieten und Schnurlostelefone zu gestatten.Kritiker werfen Kliniken vor, durch das Mobiltelefonverbot an den Anrufen der Patienten per Festnetz verdienen zu wollen. Immer mehr Krankenhäuser führen teure 0180-er Nummern ein, bei denen auch Anrufer von außen hohe Gebühren zahlen. Oft müssen Patienten Telefonkarten kaufen und eine Grundgebühr bezahlen, auch wenn sie noch keine Sekunde telefoniert haben. Patienten würden so hauseigene Festnetze mit finanzieren. Der Mobilfunk stelle hier eine Konkurrenz dar. "Verbieten ist die billigste Methode", so Irnich.Studie: Handys sind ungefährlichDie Wissenschaftler Professor Werner Irnich und Professor Rolf Tobisch vom Institut für Medizin-Technik an der Universität Gießen konnten schon 1999 in einer Studie nachweisen, dass von Mobiltelefonen keine nennenswerten Effekte auf die in Krankenhäusern üblichen medizintechnischen Geräte ausgehen. Dafür untersuchten sie insgesamt 224 Klinikgeräte von 23 medizinischen Gerätetypen. Diese wurden Strahlungen von Mobiltelefonen im C-, D- und E-Netz ausgesetzt. Heutige Handys senden bis zu 80 Prozent weniger Strahlung aus als die damaligen Geräte.

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Katlen Trautmann • Tel.: 0351 31 777 81 • Fax: 3222 375 4 357 • Funk: 0171 26 66 354 • Email: katlen.trautmann@t-online.de

 
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