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Sächsische Zeitung, 27. Februar 2007

Dienstag, 27. Februar 2007


Petra Hesser, die Chefin von Ikea Deutschland, hat auch zu Hause hauptsächlich Möbel der schwedischen Firma. Foto: PR



Ikea fürchtet keine Mehrwertsteuer

Petra Hesser, die Ikea-Chefin für Deutschland, spricht über die Sozialisation mit der schwedischen Möbelmarke - auch für sich selbst.

Wie viele Möbel in Ihrer Wohnung stammen von Ikea?

Etwa zwei Drittel. Wenn man bei Ikea arbeitet, sieht man jeden Tag viele schöne Dinge. Die Versuchung, Neues zu kaufen, ist groß.

Ikea gibt seit Februar die höhere Mehrwertsteuer weiter. Das könnte die Versuchung lindern. Auf welche Umsatz-Dellen haben Sie sich eingestellt?

Um ehrlich zu sein, auf keine großen. Natürlich haben Kunden Käufe vorgezogen. Aber sie wissen, woran sie mit den Ikea-Preisen sind.

Läuft Deutschland Gefahr, seinen Status als umsatzstärkstes Land im Ikea-Reich zu verlieren?

Derzeit nicht. Mit einem Jahresumsatz von knapp drei Milliarden Euro liegt Deutschland mit 17 Prozent Anteil am weltweiten Umsatz nach wie vor an erster Stelle, gefolgt von den USA mit 12 und Großbritannien mit 19 Prozent. Wir sind seit über 30 Jahren in Deutschland. Viele Menschen sind mit uns aufgewachsen: von den Möbeln für die Studentenbude über die erste gemeinsame Wohnung, die Einrichtung fürs Kinderzimmer…

Wie hat sich das Ikea-Sortiment im Laufe der Jahre gewandelt?

Wir haben den in Deutschland sehr beliebten Landhausstil ausgebaut. Das Sortiment umfasst viel mehr Stile und Geschmacksrichtungen. Ost-west-deutsche Unterschiede spielen dabei kaum eine Rolle. Ich sehe 16 Jahre nach der Wende keine deutlichen Unterschiede im Kaufverhalten. Wir könnten genauso darüber diskutieren, inwieweit sich Kunden in Kiel von denen in München unterscheiden.

Funktioniert Ikea tatsächlich überall gleich?

Die Bedürfnisse der Menschen beim Wohnen unterscheiden sich auf der Welt weit weniger, als man glaubt. Allerdings berücksichtigen wir reale Lebensbedingungen. Große Wohn- oder Schlafzimmer zu zeigen, würde in Japan keinen Sinn machen, wo die Menschen auf sehr begrenztem Platz leben. Wir verkaufen seit Jahren Reispapierlampen aus China in vielen Ländern. Aber erst, seit wir in China Einrichtungshäuser haben, sind die Lampen auch für chinesische Kunden erhältlich.

Wie schwedisch ist Ikea damit noch?

Jedes für Ikea hergestellte Produkt hat schwedische Wurzeln: Die Designabteilung ist in Schweden.

Wie sind Ihr Verhältnis zu Ikea-Gründer Ingvar Kamprad und das Ikea-Betriebsklima?

Ich bin Kamprad oft begegnet. Unsere Begegnungen sind immer von einem herzlichen Miteinander, aber auch von großem Respekt geprägt. Ikea ist ein Unternehmen mit sehr flachen Hierarchien. Alle Mitarbeiter duzen sich. Die Integration neuer Mitarbeiter in unsere Kultur ist eine große Aufgabe.

Auch flache Hierarchien setzen ein bestimmtes Maß an Anpassen voraus. Als was für einen Menschen würden Sie sich beschreiben?

Ich denke, dass ich ein offener, engagierter Mensch bin. Ich frage nach, wenn mir etwas nicht klar ist, und bin dadurch vielleicht manchmal auch unbequem.

Kamprad nennt soziale Verantwortung „Hobby“. Wie wichtig ist sie für Sie?

Ich würde es nicht Hobby, sondern Lebenseinstellung nennen. Wir haben viel Energie in die Verhinderung und Prävention von Kinderarbeit gesteckt. Gemeinsam mit Unicef und Save the Children unterstützen wir alternative Schulprojekte und Fraueninitiativen in Indien. Jedes Einrichtungshaus fördert vor Ort soziale Einrichtungen.

Zum Ihrem Job zählt der Umsatz, bei dem Ikea Deutschland für 2007 mit einem Plus rechnet. Wie wollen Sie die Kauflust der Menschen herauskitzeln?

Ich glaube, man muss Menschen ein Angebot machen, das zu ihren Bedürfnissen passt, und dazu einen guten Preis. Die Kunden finden bei uns keine unbelebten Möbelausstellungen, sondern Wohnsituationen, wie sie jeder zu Hause haben könnte. Ich bin froh, dass wir bald Baby-Schlafsäcke im Sortiment haben werden. In Schweden ist es einfach nicht üblich, dass Kinder in Schlafsäcken schlafen. In Deutschland werden sie nachgefragt.

Wohin steuern Sie Ikea Deutschland speziell im Osten?

In Dresden planen wir die Erweiterung des Einrichtungshauses um rund 10000 Quadratmeter. Im Sommer 2006 haben wir in Rostock ein zweites Servicecenter eröffnet, was langfristig mehr als 100 Arbeitsplätze bringt. In der Ostseestadt soll noch in diesem Jahr ein Haus eröffnen, was rund 250 neue Arbeitsplätze bedeuten wird.

Gespräch: Katlen Trautmann >/b>

 

Katlen Trautmann • Tel.: 0351 31 777 81 • Fax: 3222 375 4 357 • Funk: 0171 26 66 354 • Email: katlen.trautmann@t-online.de

 
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