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Sächsische Zeitung, 22.März 2007

Alte Bergwerke gelangen zu neuen Ehren

An den Weltmärkten für Rohstoffe brodelt es. Sachsen stellt sich für die Versorgung neu auf. Unternehmen, Wissenschaft und Politik setzen auf einheimische Vorräte, wie sich gestern beim 2. Sächsischen Rohstofftag in Freiberg abzeichnete.

„Wir suchen gezielt danach, welche bekannten Vorkommen sich wieder wirtschaftlich nutzen lassen“, sagte Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU). Angesichts hoher Weltmarktpreise rückten Minen wieder in die Gewinnzone, die bislang als zu teuer galten. Die Wolfram-Lagerstätte Pöhla/Globenstein wird als erstes von rund 100 sächsischen Vorkommen geprüft. Ab Juni erstellt die Wismut Umwelttechnik Chemnitz GmbH (Wisutec) ein Lagerstättenmodell. In anderthalb Jahren soll ein Wirtschaftlichkeitsgutachten vorliegen. Die Firma H.C. Starck Goslar, Deutschlands größter Hersteller korrosionsbeständiger, unedler Refraktärmetalle, arbeitet mit. „Wenn alles klappt, entstehen hier 500 Arbeitsplätze“, sagte Wisutec-Sprecher Michael Lersow. Rund 100 Millionen Euro müssen Lersow zufolge in die Hand genommen werden. Den Jahresumsatz beziffert er auf bis zu 20 Millionen Euro.

Die Entscheidung zur wieder entdeckten Kupferlagerstätte Spremberg/Lausitz fällt Ende April. Vier Firmen haben sich beworben. Für fünf weitere Lagerstätten erstellen Wirtschaftsministerium und Landesamt für Umwelt und Geologie Steckbriefe. „So betreiben wir Akquise bei interessierten Unternehmen“, sagte Peter Jantsch vom Wirtschaftsministerium.

Sachsen setzt weiter auf Braunkohle. Es sei ausgeschlossen, heimische Ressourcen ungenutzt zu lassen und dafür mehr Gas und Öl zu kaufen. Sonnen- und Erdenergie dienten der Ergänzung. „Das Grundlastproblem wird für erneuerbare Energien – mit Ausnahme der Wasserkraft – in den nächsten fünf bis zehn Jahren nicht gelöst sein“, so Milbradt. Atomstrom bleibe eine Alternative. „Tabus können wir uns nicht leisten.“ Der gleichzeitige Ausstieg aus Steinkohle und Atomkraft bedeute den Ausstieg aus 95 Prozent des Stromaufkommens, rechnete Milbradt vor.

Braunkohle nicht am Ende

Die Braunkohle-Kapazitäten sind längst nicht erschöpft, hieß es. Seit der Wende ist der Kohlendioxidausstoß im Freistaat um mehr als 50Prozent gesunken. Mehrere Milliarden Euro wurden in Energiegewinnung und -nutzung investiert.

Am 12. April wird in Boxberg der Grundstein für einen neuen Kraftwerksblock gelegt. Die Braunkohleenergie sichert mehrere Tausend Jobs. Von allen Energieträgern emittiert Braunkohle bei gleicher Leistung den höchsten Kohlendioxid-Anteil, sagen Gegner. Gegenüber modernen Gaskraftwerken, die auch Wärme abgeben wie in Leipzig und Dresden, stießen Kraftwerke in der Lausitz und in Lippendorf bei gleicher Leistung die vierfache Kohlendioxid-Menge aus.

Wirtschaftlich am interessantesten ist neben der Braunkohle Kupfer. Die Lausitzer Stätte liegt laut Schätzungen im internationalen Vergleich größenmäßig etwa auf Platz acht und könnte drei Prozent der weltweiten Produktion liefern. Die Tonne kostet über 5100 Euro. Sächsisches Wolfram gilt als spannend, da sich der Preis in zehn Jahren verdreifacht hat auf 19700 Euro pro Tonne. Nennenswert sind zudem Lagerstätten von Zinn, Fluss- und Schwerspat, Antimon, Blei, Indium, Lithium, Nickel, Uran, Zink.
Katlen Trautmann

 

Katlen Trautmann • Tel.: 0351 31 777 81 • Fax: 3222 375 4 357 • Funk: 0171 26 66 354 • Email: katlen.trautmann@t-online.de

 
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