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Sächsische Zeitung, 6. Dezember 2006

Die runden Geschäfte eines Pharma-Königs

Von Katlen Trautmann
Dresden. Ein Unternehmer wie Adolf Merckle lässt Politiker-Herzen höher schlagen. „Wenn alles so geklappt hätte wie bei Herrn Merckle, hätten wir ein paar Sorgen weniger“, lobte Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) den Unternehmer gestern beim zehnjährigen Firmenjubiläum der VEM-Gruppe. Merckle hatte 1997 sechs sächsische Firmen und eine in Sachsen-Anhalt erworben, investierte und stellte Leute ein. „Die Durststrecke mit Verlusten dauerte fünf Jahre“, sagte Merckle.

Nun steht seine Firmengruppe glänzend da. „Das Sachsenwerk macht Gewinn. Die anderen Betriebe haben ein ausgeglichenes Ergebnis“, sagte Merckle. Die Gruppe verdient gutes Geld mit dem Bau von Windgeneratoren, Schiffs- und Zementanlagen, Verkehrstechnik, Motoren für die Chemieindustrie, der Metallurgie, Immobiliengeschäften und in der Pharmazie. „Kein Betrieb ist auf eine einzige Branche spezialisiert. So sind wir gegen Ausfall gewappnet“, sagt Sachsenwerk-Geschäftsführer Gerhard Freymuth.

Mutterfirma von Ratiopharm

Die VEM-Sachsenwerk GmbH in Dresden ist das Herzstück der Gruppe. Dort werden vor allem Wind- und Wasserkraftgeneratoren gebaut. Rund 3000 Windräder wurden bislang ausgeliefert, darunter große Kaliber wie das 5,4-Megawatt-Rad von Brunsbüttel oder sieben 3,6-Megawatt-Kolosse vor Irland. „Wir beliefern alle deutschen Anbieter“, sagt Freymuth. 560 Generatoren werden das Werk bis zum Jahresende verlassen, im nächsten Jahr sollen es 700 sein. „Wir wollen das Geschäft bei Windrädern aber nicht so weit treiben, dass wir abhängig werden“, sagt Freymuth. Mit dem Anziehen im Geschäft mit Windrädern für die offene See rechnet er ab 2011.

„Unser Ziel ist es, im Inland Kostenführer zu sein“, sagt der VEM-Generalbevollmächtigte, Rupprecht Freiherr von Rothkirch. Das bedeutet, die niedrigsten Produktionskosten zu haben. Von „Billiglöhnen“ will man aber nichts hören. „Unser Lohnniveau ist ausgesprochen gut“, betont Freymuth.

Vom Standardmotor bis zur Sonderanfertigung reicht die Palette von VEM-Motors GmbH in Wernigerode und VEM-Motors Thurm GmbH in Zwickau. Die Keulahütte GmbH im ostsächsischen Krauschwitz bietet Gusserzeugnisse von Armaturen bis Hydranten. 40 Prozent der Produktion gehen ins Ausland, darunter nach Russland oder China. Der Umsatz der Gruppe von 122 Millionen Euro im Verkaufsjahr hat sich auf derzeit 239 Millionen fast verdoppelt.

Auf Schweigen stößt man dagegen bei Fragen nach exakten Zahlen der Dresdner VEM-Vermögensverwaltung GmbH. Das 20-Mann-Unternehmen verwaltet und vermietet Immobilien der Unternehmensgruppe an 597 Mieter, was dem Geschäftsführer der Holding zufolge, Norbert Wede, jährlich rund drei Millionen Euro einspielt. Der Grund der Verschlossenheit könnte woanders liegen: Die GmbH ist die Dachgesellschaft eines der bekanntesten deutschen Pharmakonzerne. „Die VEM-Vermögensverwaltung GmbH ist die Muttergesellschaft von Ratiopharm“, sagt GmbH-Geschäftsführer Ludwig Merckle, ältester Sohn des Inhabers. Man habe die Umbenennung in einen deutlicheren Firmennamen bislang schlicht versäumt. Ratiopharm in Ulm produziert Generika – Medikamente, deren Patentschutz ausgelaufen ist und die billiger als Originale sind.

Aus Sicht der Staatsregierung sei der VEM-Werdegang eine „gelungene Geschichte“, sagte Milbradt. Mit 1724 Menschen arbeiten heute rund 200 Leute mehr im Werk als zum Zeitpunkt des Verkaufs. Holding-Chef Wede war schon „vorher“ dabei. „Als Herr Merckle unterschrieb, waren wir zufrieden. Heute sagen wir ‚Danke‘, dass wir so privatisiert worden sind.“

 

Katlen Trautmann • Tel.: 0351 31 777 81 • Fax: 3222 375 4 357 • Funk: 0171 26 66 354 • Email: katlen.trautmann@t-online.de

 
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