Fenster schließen
  Drucken
 

Sächsische Zeitung, 26. März 2007

Die Schule der Besten prüft Bewerber auf Herz und Nieren
Von Katlen Trautmann

Aus Amerika, Asien, Osteuropa: An der Graduiertenschule der Technischen Universität (TU) Dresden ist die erste Interviewwoche für 89 Bewerber aus aller Welt zu Ende gegangen. Bis zu zehn Einzelgespräche mit Betreuern, Gruppenleitern und Professoren liegen hinter ihnen. 329 hatten sich beworben.

Die TU hat sich mit der Graduiertenschule „Dresden International Graduate School for Biomedicine and Bioengineering“ (DIGS-BB) bei der Exzellenzinitiative des Bundes durchgesetzt. Die Organisatoren wollen die Schule zu einem international beachteten Zentrum der Ausbildung entwickeln. Bis zu 300 Doktoranden sollen hier interdisziplinär forschen.

Die neue Schule baut auf einer Kooperation zwischen der TU und dem Max-Planck-Institut für Molekulare Zellbiologie und Genetik (MPI-CBG) Dresden auf. Seit 2001 läuft hier das bislang größte internationale Doktorandenprogramm in Deutschland mit bislang 230 Absolventen aus 40 Ländern. Neben den Hauptpartnern sind das Bioinnovationszentrum Dresden, das Max-Bergmann-Zentrum für Biomaterialien, das Max-Planck-Institut für Physik komplexer Systeme (MPI-PKS) und Leibniz-Institute im Boot.

Die meisten Studenten finden per Internet und Mundpropaganda nach Dresden. Für die Auswahl betreibe man „extrem hohen Aufwand“, sagt DIGS-Sprecher Gerhard Rödel, Professor für Genetik. „Hier aufgenommen zu werden, ist nicht trivial.“ Die angehenden Wissenschaftler müssen zu einer der insgesamt 75 Arbeitsgruppen aus Medizin, Ingenieur- und Naturwissenschaften und außeruniversitären Einrichtungen und ihren Forschungsgebieten passen und dort arbeiten wollen. Deshalb müssen die Kandidaten in ihrer elektronischen Bewerbung zwei Bürgen benennen. „Wir schreiben beide an“, sagt Rödel. Erst nach Eingang beider Antworten läuft das Verfahren weiter.

Aufwand für manche zu hoch

Während der Gesprächswoche in Dresden prüfen Fachleute, in welcher Arbeitsgruppe die Kandidaten arbeiten können und wollen und wie sie zu bezahlen wären. Nachwuchsforscher am MPI – rund die Hälfte der Angenommenen – erhalten ein Stipendium der Gesellschaft, Doktoranden an der TU müssen meist aus den Mitteln ihrer Forschungsgruppe finanziert werden. Nicht alle Hochschullehrer lassen sich unter solchen Bedingungen für die Mitarbeit bei DIGS-BB begeistern, räumt Rödel ein. Der Aufwand scheint ihnen zu hoch. „Die Anderen bekommen jedoch Doktoranden, die sie anders nie bekämen“, hebt Rödel hervor.

Im November werden die Kurse nach dem Schema starten. Im Idealfall werden die Absolventen bald den weltweit anerkannten PhD-Titel – der Philosophiae Doctor im amerikanischen Studiensystem entspricht dem deutschen Doktortitel – oder MD/PhD (Medical PhD) in der Tasche haben. Dafür muss jedoch die Promotionsordnung geändert werden.

 

Katlen Trautmann • Tel.: 0351 31 777 81 • Fax: 3222 375 4 357 • Funk: 0171 26 66 354 • Email: katlen.trautmann@t-online.de

 
Fenster schließen
Drucken