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Sächsische Zeitung, 8.Oktober 2006

Der Arbeitsmarkt bleibt auch 2030 umkämpft

Von Katlen Trautmann

Studie<7b>. Nach Anhebung des Rentenalters auf 67 fehlen bis zu drei Millionen Arbeitsplätze.

Dresden. Wenn Menschen in Deutschland bis zum regulären Rentenstart künftig zwei Jahre länger arbeiten müssen, können sie das auf freien Stellen tun, die infolge des demographischen Wandels unbesetzt sind. Denn der Anteil jüngerer Arbeitskräfte im Lande sinkt in den kommenden Jahrzehnten. So lauteten bislang Prognosen für die längere Lebensarbeitszeit. Die Realität aber sieht voraussichtlich anders aus.

Im Jahr 2030 werden infolge des höheren Rentenalters vielmehr bis zu drei Millionen zusätzliche Arbeitsplätze benötigt, zeigt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Der prognostizierte Rückgang des Potenzials an Erwerbspersonen kommt dadurch viel später als erwartet. Das hat selbst die Macher der Studie überrascht. „In dem Ausmaß hätten wir das Ergebnis nicht erwartet“, räumt Autor Johann Fuchs ein.

Das neue Pensionsalter kommt im Jahr 2030 voll zum Tragen – genau dann, wenn die geburtenstarken Jahrgänge in Richtung Rente rücken. Dann werden in Deutschland 8,8 Millionen Menschen zwischen 60 und 66 Jahren leben, 1,6 Millionen mehr als im Jahr 2005. Zwischen 1,2 und drei Millionen Menschen dieser Altersgruppe werden zusätzlich zu den Jüngeren um Jobs rangeln. „Das ergibt eine starke Zunahme an älteren Arbeitskräften“, fasst Fuchs zusammen.

Das Potenzial Erwerbsfähiger wird zwar von derzeit 44,5 Millionen Arbeitskräften inklusive stiller Reserve bis zum Jahr 2020 auf 43,1 Millionen Leute und danach rapide sinken, haben die Nürnberger Forscher ermittelt. Doch diese Effekte werden durch die nachrückenden Älteren bis 2030 mehr als aufgehoben. Im Osten werden diese Effekte besonders durchschlagen, bilanziert Fuchs. Ohne verstärkte Arbeitsplatzentwicklung sehe es hier „zappenduster“ aus.

1,2 Millionen Stellen zu wenig

Je nachdem, wie sehr sich die Älteren mit der Frühverrentung anfreunden, werden nach derzeitigem Stand mindestens 1,2 Millionen Stellen zu wenig sein. Wollen alle, die können, auf Arbeit gehen, weitet sich der Fehlbetrag auf drei Millionen Jobs aus. Wegen zu erwartender Abschläge bei der Rente rechnen die Forscher mit einem Rückgang des Wunsches nach Frühverrentung. Im Extremfall werden 2030 bis zu 43 Prozent der 65-Jährigen und Älteren noch arbeiten wollen. Zum Vergleich: Heute arbeiten sieben Prozent dieser Altersgruppe. Bei den über 60-Jährigen wird für sogar 85 Prozent Arbeit ein Thema bleiben.

Und wie sieht es im Freistaat aus? „Für Sachsen rechnen wir von 2010 an, dass die Zahl der Abgänger in die Rente höher ist als die Zahl der Berufsanfänger. Wir wünschen, dass in den Betrieben ein Mentalitätswechsel hinsichtlich Beschäftigung Älterer greift. Ältere Arbeitnehmer sollten im Betrieb gehalten werden. Die Agenturen für Arbeit geben Zuschüsse für derartige Qualifizierungen“, sagt Karl Peter Fuß von der Regionaldirektion Sachsen. Wie viele Arbeitsplätze fehlen werden, kann er nicht sagen, weil zur IAB-Studie analoge Berechnungen für Sachsen nicht vorliegen.

Http://doku.iab.de/kurzber

 

Katlen Trautmann • Tel.: 0351 31 777 81 • Fax: 3222 375 4 357 • Funk: 0171 26 66 354 • Email: katlen.trautmann@t-online.de

 
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