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Sächsische Zeitung, 2006

Sächsische Zeitung
Dienstag, 29. August 2006

Weißer Kittel macht noch keinen Krösus
Von Katlen Trautmann

Mediziner. Immer mehr Allgemeinärzte kämpfen um ihr wirtschaftliches Überleben.

Mut, Geduld und Rücklagen braucht der Mediziner. Besonders, wenn er eine Praxis in Ostdeutschland führen will. Neben wirtschaftlichen Unwägbarkeiten und wachsender Arbeit macht Ärzten das schwindende Ansehen ihres Standes zu schaffen.

„Die Mär vom sagenhaften Reichtum der Weißkittel trifft auf die wenigsten Ärzte in Sachsen zu“, sagt Sibylle Berndt, Chefin des sächsischen Ablegers des Verbands der niedergelassenen Ärzte (NAV-Virchow-Bund). Auch die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KVS) spricht von einer „sehr angespannten“ Finanzlage. Schätzungen zufolge gehen Mediziner im unteren Umsatzdrittel mit 1 400 bis 1 800 Euro im Monat heim. Der Virchow-Bund schätzt, dass etwa jeder vierte Arzt dieser Gruppe angehört.

Am liebsten gegen Vorkasse

Obwohl Mediziner im Osten deutlich mehr Menschen als ihre Kollegen im Westen behandeln, klingelt ihre Kasse seltener. Strukturelle Mängel sehen Standesvertreter als Ursachen. Bei ambulanter Versorgung klafft die Ost-West-Schere beim Geld um rund 20 Prozent auseinander. „Der Gesetzgeber hätte die Budgetbildungsvorschriften für den Osten ändern müssen“, sagt KVS-Chef Klaus Heckemann. „Das System basiert auf der Ausnutzung der altruistischen Haltung des Arztes“, kritisiert auch der Vizechef der Landesärztekammer, Stefan Windau. Der Blick in die Zahlen verrät aber auch: Nicht alle Ärzte haben Grund zur Klage. Sächsische Fachärzte für Laboratoriumsmedizin und Humangenetik setzten der KVS zufolge im vierten Quartal 2005 im Schnitt fast 275 000 Euro um. Fachärzte für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde (HNO) hingegen gingen mit etwa einem Achtel der Summe heim.

Statt nach Punkten fordert der Virchow-Bund nach Euro und Cent abzurechnen. Gegenwärtig erfahren Ärzte mit Bekanntgabe des Punktwerts erst vier Monate nach Quartalsende die Höhe ihres Einkommens. Beim Streit ums Geld hat auch das Arzt-Patienten-Verhältnis Schaden genommen, beobachtet HNO-Ärztin Berndt. „Es wird unterstellt, dass nicht erbrachte Leistungen abgerechnet werden“, sagt sie. Charme hat aus ihrer Sicht die Idee, dass nicht nur private, sondern auch Kassenpatienten nach der Behandlung finanziell in Vorleistung gehen und selbst mit ihrer Kasse abrechnen.

Ihr Überleben verdanken Praxen oft Privatpatienten, obwohl deren Anteil an den erbrachten Leistungen bei durchschnittlich zwei Prozent liegt. „Aber das hilft, Liquiditätskrisen zu vermeiden“, sagt Berndt. Der Privatanteil wird vorerst nicht steigen: Der Bundesrat stoppte die geplante Anhebung der Vergütung für Privatpatienten im Osten um zehn Prozent.

Mit Krediten halten sich Banken zurück. „Wer nicht gerade eine gut laufende Praxis übernehmen kann, für den lohnt sich die Gründung selten“, sagt die Virchow-Bund-Chefin. In einigen Regionen Sachsens droht bereits Ärztemangel. 189 Praxen sind der Landesärztekammer zufolge unbesetzt – obwohl Sachsens Sozialministerium für den Landkreis Torgau-Oschatz ein Förderprogramm angeschoben hat, das auf die Stadt Döbeln und Teile der niederschlesischen Oberlausitz ausgedehnt werden soll.



Sächsische Zeitung
Mittwoch, 16. August 2006

Am Tropf staatlicher Krankenkassen
Von Katlen Trautmann

Arznei-Verkauf. Trotz steigender Umsätze schauen die Apotheker skeptisch in die Zukunft.

Der Apotheke „an der Ecke“ ist die Beschaulichkeit abhanden gekommen. Mörsern, Mischen und Verkauf allein bilden nicht mehr Fixpunkte des Apothekeralltags. Der moderne Apothekenchef muss Umsatzziffern, Rabattbestimmungen und die Konkurrenz vom Versandhandel im Auge behalten. Offen ist derzeit, wie die Apotheke der Zukunft ausschaut.

„Die Branche ist im Fluss“, fasst der Geschäftsführer des Sächsischen Apothekerverbandes Ulrich Bethge zusammen. Und ein Fluss führt naturgemäß ins Tal. Für das zweite Halbjahr 2006 prognostiziert die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) den Apothekern Einkommensverluste von bundesweit 250 Millionen Euro. Die sächsischen Kollegen werden laut Landesverband nicht ungeschoren davonkommen. Als Ursache wird das seit vergangenem Mai gültige Arzneimittelversorgungs-Wirtschaftlichkeitsgesetzes (AVWG) genannt.

Wegen der laufenden Absenkung der Festbeträge verringerte sich zum Beispiel von April bis Juni der Wert der Warenlager um durchschnittlich 2 500 Euro, rechnet Bethge vor. Auch der Wegfall der Naturalrabatteab Mai lässt die Gewinne schrumpfen. Naturalrabatte waren Kostennachlässe beim Einkauf direkt vom Pharmahersteller. Der Packungspreis blieb der gleiche, doch der Apotheker bekam zusätzlich noch Gratispackungen, die er wie normale Packungen verkaufen konnte. Die Verluste könnten sich laut Bethge im Einzelfall auf bis zu 25 Prozent des Apothekereinkommens belaufen. Die Einführung der Praxisgebühr macht Apothekern schon länger zu schaffen, weil seither weniger Packungen verschrieben werden.

Zusätzlich ringen sächsische Apotheken mit strukturellen Schwierigkeiten. Anders als ihre Kollegen im Westen hängen ostdeutsche Arzneiläden mehr am Tropf der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) als im Bundesschnitt. Weniger Menschen im Osten sind privat versichert, weil die Einkommen niedriger liegen. Darin liegt auch die Ursache, dass frei verkäufliche Arzneien wesentlich seltener über die Ladentheke gehen als in den alten Bundesländern. „Bei knappen Kassen sparen die Leute an Wohlfühl-Präparaten“, zeigt Bethge Verständnis. Einigen Häusern könnte im Zuge des Wandels sogar das Aus drohen. Seit der Zulassung von Filialen werden nach Einschätzung des Verbandes auch unverkäufliche oder unrentable Läden als Filialen weiter geführt. Probleme bereitet auch der Versandhandel und die Deutschland-Filiale des holländischen Anbieters Doc Morris.

Niedrigere Preise für Generika

Auch lassen sich die Folgen der Absenkung der Preise am Generika-Markt ab Juli noch nicht abschätzen. Generika sind Präparate, die nach Auslauf des Patentschutzes für ein neues Medikament nach dessen Formel, aber preiswerter, produziert werden. „Nur wenige Fachleute werden bei diesen unsicheren Perspektiven den Mut haben, einen neuen Laden zu eröffnen“, glaubt Bethge. Sachsen kann ein paar mehr Geschäfte durchaus vertragen: Nur in Brandenburg versorgt im Osten eine Apotheke mehr Menschen als in Sachsen.

Dennoch: Die Apotheker klagen auf vergleichsweise hohem Niveau. Der Beruf gehöre zu den wenigen Berufen, wo jeder, der wolle und studiert habe, den Job ausüben könne, betont der sächsische Verbandschef. Die Pro-Kopf-Ausgaben für Medikamente haben sich laut ABDA seit 1991 mehr als verdoppelt. Im Konjunkturbericht des Deutschen Industrie- und Handelskammertages zum Jahreswechsel 2005/2006 zählten Apotheken neben Drogerien und dem Kraftfahrzeug-Handel zu den wenigen Branchen mit Umsatzplus. Die Handelsspanne von Apotheken im Freistaat beläuft sich derzeit auf rund 20 Prozent – ein Wert, von dem beispielsweise der Lebensmittelhandel mit Spannen von ein bis zwei Prozent nur träumen kann. Der Bundesschnitt liegt bei 24 Prozent. Der Umsatz hielt aber nicht Schritt. Für eine erste Bilanz des neuen Arzneimittelversorgungsgesetzes sei es zwar noch zu früh. „Aber manchen Kollegen wird das Führen einer Apotheke keinen Spaß mehr machen“, sagt Bethge.




Sächsische Zeitung
Donnerstag, 5. Oktober 2006

Modern, aber in der Klemme
Von Katlen Trautmann

Die Kliniken im Osten sind renoviert und gut ausgestattet. Künftig müssen sie den Gürtel enger schnallen.

Dresden. Reiner E. Rogowski steckt in der Klemme. Der Mediziner muss demnächst einen Vertrag schließen. Das zählt zu seinen Pflichten als Geschäftsführer der Oberlausitz-Kliniken gGmbH. Aber wer die Unterschrift unter den Tarifvertrag für die 150 angestellten Ärzte neben seine eigene setzen wird, das weiß Rogowski noch nicht. „Vier Möglichkeiten habe ich“, umreißt er die Lage.

Die Gewerkschaft Verdi und der Marburger Bund, der Verband der angestellten und beamteten Ärzte Deutschlands, könnten Partner sein. Doch beide Verbände ringen derzeit um die Meinungsführerschaft und haben Allein-Abschlüsse mit der Gegenseite verboten. Duldung eines Vertrages wäre das höchste der Gefühle. „Nach Gutsherrenart könnte das Klinikum eigene Tarife ansetzen. Das wäre die schlechteste Lösung“, diskutiert Rogowski Variante drei.

Rechtlich könne ihm keiner Vorschriften machen, auch kein Arbeitgeberverband. Dumping-Gehälter sind dennoch unrealistisch: Die Mediziner würden ins nahe Dresden abwandern. „Meine Idealvorstellung ist ein Regionaltarifvertrag. Der Betriebsrat muss mit am Tisch sitzen“, sagt Rogowski.

Der August-Streik an den kommunalen Häusern erreichte den Arbeitsalltag in Bautzen und Bischofswerda nicht, denn das Klinikum ist eines von 18 gemeinnützig arbeitenden Häusern im Freistaat – und aus dem Arbeitgeberverband ausgetreten. 41 der 80 sächsischen Krankenhäuser haben öffentliche Träger, 21 werden privat betrieben (siehe Kasten).

„Der hohe Anteil Privater macht die Trägerstruktur Sachsens deutschlandweit einmalig, ausgenommen Thüringen“, sagt der Geschäftsführer der Sächsischen Krankenhausgesellschaft, Stephan Helm. Politik spielte die entscheidende Rolle: Einige Einrichtungen wurden verkauft, andere geschlossen. Die Herzzentren Leipzig und Dresden sind die beiden einzigen Neugründungen seit der Wende.

Eine Sonderstellung nehmen ostdeutsche Krankenhäuser auch hinsichtlich ihrer Ausstattung ein. Zwischen 1995 und 2005 flossen – zwecks Angleichung der Verhältnisse zwischen Ost und West, per Einigungsvertrag und Sonderinvestitionsförderung – mehr als drei Milliarden Euro sächsischen Häusern zu. Dazu kommen Pauschalfördermittel vom Land von bis zu 800 000 Euro.

Doch gleich, welcher Träger das Krankenhaus unterhält – Wirtschaften wird für alle schwieriger. Nachdem die Fördertöpfe geleert sind, beginnen die mageren Jahre. Auf bis zu 350 Millionen Euro pro Jahr schätzt Geschäftsführer Helm den Investitionsbedarf. Bei einem Zuwachs des Gesamtbudgets um maximal anderthalb Prozent und steigenden Ausgaben gehe es an Reserven und Rücklagen.

Einige Krankenhäuser beugen vor: Das Klinikum Chemnitz ist aus „strategischen Erwägungen“ zu 2007 aus dem Arbeitgeberverband ausgetreten. Mit 1720 Betten und 3300 Mitarbeitern zählt das Klinikum bundesweit zu den Großen. Seit Umwandlung des Eigenbetriebes in eine GmbH weist die Bilanz wieder schwarze Zahlen aus, sagt Sprecher Uwe Kreißig. Verhandelt wird voraussichtlich erst wieder ab 2008. Geschäftsführer Rogowski jongliert mit weiteren Ausgabeposten. „Wir bleiben kommendes Jahr auf einer Million Euro Mehrkosten sitzen“, rechnet er vor. „Wir müssen Personal abbauen“, kündigt er an. Der Umbau des Gesundheitswesens werde nach seiner Ansicht zu Lasten der Patienten und des Ostens gehen. „Die Unwirtschaftlichkeit liegt drüben, nicht bei uns“.




Sächsische Zeitung
Dienstag, 22. August 2006

Gute arme Seele der Praxis
Von Katlen Trautmann

Arzthelferin. Vor allem in Ostdeutschland droht Fachkräften Altersarmut.

Blut abnehmen, Rezept ausdrucken; Patienten anmelden, Proben analysieren. Der Ablauf vieler Arztpraxen würde ohne ihre „guten Seelen“, die Arztschwester, zusammenbrechen. Zwischendurch verkauft die medizinische Fachangestellte am Tresen Igel-Leistungen, organisiert das Qualitätsmanagement, berät Patienten zur Gesundheitsförderung.

Seit 1. August heißen Arzthelferinnen offiziell Medizinische Fachangestellte. Mit Wissen von Anatomie bis Verwaltung bildet sie das Rückgrat jeder Arztpraxis. Ihre Verdienstsituation sieht dagegen kümmerlich aus. „Vielen Kolleginnen droht Altersarmut“, sagt die Präsidentin des Bundesverbandes der medizinischen Fachberufe, Sabine Rothe. Eine ostdeutsche Fachangestellte startet laut Tarif mit 1 127 Euro und damit 195 Euro weniger als ihre westdeutschen Kolleginnen ins Berufsleben. „Meist wird nicht mal das gezahlt“, hat Rothe beobachtet. Der bundesweite Tarifvertrag schreibt für Vollbeschäftigte im Osten 85 Prozent der Gehälter im Westen vor. Doch die wenigsten Fachkräfte erfreuen sich laut Rothe eines Vollzeitvertrages. Zum anderen würden die Budgets der Praxen meist nicht mehr hergeben.

Dennoch büffeln die künftigen Praxismitarbeiter dafür hart: Diagnostik, Therapie; Kommunikation und Betriebsorganisation sind einige Felder, auf denen sie bei der 60-Minuten-Abschlussprüfung samt viertelstündigem Fachgespräch glänzen müssen. Befremdlich für ostdeutsche Ärzte dürfte sein, dass das Wissen über Krankheiten und Pathologie in der neuen Ausbildung keine große Rolle mehr spielt. Die Bundesärztekammer lobte die neue Berufsbezeichnung als „neutral“ und „umfassend“. Der Wegfall des „Helfer“-Begriffes werte den Beruf auf. Doch was nützt die Ehre, wenn da fehlt das Monetäre, weiß schon der Volksmund.

Für gute Absolventen stellt die Praxis deshalb oft eine Zwischenstation vor dem Abwandern in andere Branchen dar. Bei einer durchschnittlichen Verweildauer von fünf Jahren bei Spitzenkräften ist die Ausbildung unrentabel. Neben dem schmalen Verdienst sorgen mangelnde Aufstiegschancen in Praxen für Ernüchterung.

Die Gesundheitspolitik müsse die Weichen so stellen, dass erbrachte Leistungen auch bezahlt würden, nennt Rothe als Weg aus der Misere. Kluge Chefs bauen vor: Tankgutscheine oder das Schnupper-Abo im Fitnesscenter sollen bei den Angestellten für gute Laune sorgen. Andernfalls, wissen sie, könnte der Ärzte- und Praxenmangel noch schneller um sich greifen.




Sächsische Zeitung
Dienstag, 26. September 2006

Die Rückenschule als Muntermacher
Von Katlen Trautmann

Unter den Praxen der Physiotherapie wächst der wirtschaftliche Druck: Bei mehr Konkurrenz werden weniger Behandlungen verschrieben.

Um Punkt sieben Uhr stehen die ersten Patienten vor der Tür der Physiotherapiepraxis in Freital. Die drei Mitarbeiterinnen und Chefin Silke Böhme haben im Wechseldienst alle Hände voll zu tun, mitunter bis nach 21 Uhr. Nach einem Monat werden sie die Rezepte von durchschnittlich 120 Patienten abgearbeitet haben. „Unsere Kapazitätsgrenze“, nennt es Silke Böhme.

Mit Krankengymnastik, Massagen oder manueller Therapie hat das Team dann rund 9 000 Euro Umsatz gemacht. Zwei Angestellte gehen mit Nettolöhnen zwischen 1 000 und 1 300 Euro nach Hause. Eine Kollegin arbeitet freiberuflich auf eigene Rechnung, mietet nur Räume und Gerätschaften an. Strom, Reparaturen und Neuanschaffungen wollen bezahlt sein. Die Chefin geht mit dem Gehalt einer Sachbearbeiterin heim. „Eigentlich reicht es nicht“, bilanziert Silke Böhme.

Die Freitaler Physiotherapeutin steht stellvertretend für 2 320 niedergelassene Physiotherapeuten, 100 selbstständige Masseure und 4 350 selbstständige Ergotherapeuten in Sachsen. Dazu kommen 380 Logopäden und 180 Podologen (Fachkräfte für medizinische Fußpflege) in Niederlassung. Dieser Branche ging es im Freistaat im Vergleich zu anderen Bundesländern bislang gut. Pro 1 000 Versicherte in Sachsen wurden im vorigen Jahr 592 Physiotherapierezepte verordnet, der bundesdeutsche Durchschnitt liegt bei 392 Rezepten. Auf sächsischen Verordnungen stehen mit 9,4 Behandlungseinheiten zudem mehr drauf als im Schnitt der anderen Bundesländer. Eine „komfortable Versorgung“ habe sich in Sachsen herausgebildet, sagt der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsens (KVS), Klaus Heckemann.

Seit vergangenem Jahr gilt aber auch in Sachsen eine Richtgrößenverordnung. Sie schreibt vor, welche Summe der Arzt pro Quartal und Patient für Hilfs- und Heilmittel verordnen darf. Sinkende Rezeptzahlen sind die Folgen. „Wunschverordnungen gibt es nicht mehr“, sagt Elke Schliedermann vom Landesverband physikalischer Therapien, der neben Therapeuten auch Masseure vertritt. Die Ärzte stünden wegen des Budgets unter Druck. Die KVS fordert von den Ärzten, mehr Behandlungspausen einzulegen, weniger Einheiten zu verschreiben und Patienten zu Sport und Änderungen im Essverhalten anzuhalten.

Masseure gehen ihrem Landesverband zufolge im Schnitt bei einer 35-Stunden-Woche mit 800 bis 900 Euro netto heim. Vom nächsten Jahr an greift für Physiotherapeuten die Weiterbildungspflicht. Dabei müssen sie Kurse absolvieren und bekommen Punkte dafür gutgeschrieben. Unterschreiten sie eine vorgeschriebene Punktzahl, droht im schlimmsten Fall der Verlust der Zulassung.

Fortbildungen müssen Physiotherapeuten schon heute aus eigener Tasche bezahlen. Das Zertifikat für Manuelle Therapie schlägt etwa mit rund 2 000 Euro zu Buche, je nach Anbieter. Mit Zertifikat kann die Physiotherapie drei Euro mehr abrechnen pro Krankengymnastik – „15 statt zwölf Euro“, bilanziert Silke Böhme.

Die Physiotherapeuten bauen sich zunehmend ein zweites Standbein auf: Prävention. Von Nordic-Walking-Kursen, Rückenschulen oder Vorträgen zu gesunder Ernährung tragen die Krankenkassen bis zu 80 Prozent der Kosten. „Ich organisiere Aktionstage in der Grundschule und halte Informationsveranstaltungen für Personal in Alten- und Pflegeheimen“, verrät Silke Böhme. „Wir müssen unseren Beruf mehr anbieten“, sagt sie. Die Praxen müssten endlich munter werden.

 

Katlen Trautmann • Tel.: 0351 31 777 81 • Fax: 3222 375 4 357 • Funk: 0171 26 66 354 • Email: katlen.trautmann@t-online.de

 
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