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Sächsische Zeitung, 20.Juli 2006

Branche mit Durchblick
Von Katlen Trautmann

Herbert Schindler bewegt wieder flüssiges Glas. Die Schmelzwanne seines Glasbetriebes fährt in diesen Monaten hoch. Ein Vierteljahr Kaltreparatur und Investitionen von 30 Millionen Euro liegen hinter der Flachglas Torgau GmbH und ihrem Geschäftsführer Schindler. Der Neustart kommt gerade zur rechten Zeit.

Die Bauglasbranche erfreue sich nach dem harten Winter einer „Wiederbelebung“, sagt Schindler. „Die Glasschmelzanlage muss 18 bis 20 Jahre halten“, umreißt der Werkleiter die Perspektive des zur französischen Saint-Gobain-Gruppe gehörenden Betriebes. „Sachsen ist ein Exportland für Flachglas. Alle Hersteller sind gut ausgelastet“, berichtete der Präsident des Arbeitgeberverbandes der Deutschen Glasindustrie, Peter Weinmann kürzlich auf der Tagung der Deutschen Glastechnischen Gesellschaft in Dresden. Ein Drittel der gesamtdeutschen Glaserzeugung und -verarbeitung findet in den neuen Bundesländern, und hier traditionell vor allem in Thüringen und Sachsen, statt. „Die Branche wurde nach der Wende beinahe unbemerkt fast komplett weitergeführt“, sagt Weinmann.

Ost-Glas besitzt Geltung

Mit der trivialen Fensterscheibe kommt man nicht mehr weit. Die Glasindustrie hat einiges getan für den Ruf ihres Werkstoffes. Zwei Drittel der in Torgau produzierten Glasmenge wird zu Verbundglas verarbeitet, das Spezialfunktionen für Sicherheit, Wärme- und Schallschutz bietet. Saint-Gobain unterhält in Torgau fünf Werke. Neben der Baubranche zählen die Auto- und Möbelindustrie zu den Abnehmern. Dass die Wettbewerber im Osten quasi vor seiner Haustür sitzen, beunruhigt Schindler, Werkleiter seit der Wende, kaum. „Wir werden besser sein, neue Dinge entwickeln. Ich bin optimistisch.“ Ein Beispiel lässt sich unweit besichtigen. Das Glasseidenwerk in Oschatz mauserte sich zu einem der wichtigsten Hersteller in Europa.

Strompreis frisst Gewinne auf

Steigende Energiepreise und der Handel mit Emissionszertifikaten machen der Branche am meisten zu schaffen. Energie ist bei der Herstellung von Glas eben nicht zu substituieren und beläuft sich auf bis zu zwölf Prozent der Erzeugerkosten. „Die Energiekosten fressen unsere steigenden Erträge auf“, fasst es Geschäftsführer Stefan Jugel vom kleinsten Glaswerk Deutschlands zusammen. „Wir mussten die Preise erhöhen und Artikel aus dem Sortiment werfen.“ Die rund 100 Mitarbeiter der PD Industries GmbH Glaswerk Freital verarbeiten jährlich 30 000 Tonnen zu Weinflaschen oder Konservengläsern. Der Preisdruck sei aber schwächer geworden, berichtet Jugel. Die Branche habe sich inzwischen konsolidiert.

Neben Saint-Gobain haben auch andere Firmen Investitionen abgeschlossen oder planen sie für die kommenden zwei, drei Jahre. Von Plänen zu Schließungen sei nichts bekannt, so Glas-Arbeitgeberpräsident Weinmann. Eine wesentliche Rolle spielten dabei die Subventionspolitik des Freistaates und Einkommen unter Westniveau, sagt Weinmann. Nun könne der Standort Sachsen als gesichert gelten.

 

Katlen Trautmann • Tel.: 0351 31 777 81 • Fax: 3222 375 4 357 • Funk: 0171 26 66 354 • Email: katlen.trautmann@t-online.de

 
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