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Sächssische Zeitung, Juni 2006

Jobs durch die Drehtur

Von Katlen Trautmann

Zeitarbeit: Die Deutsche Bahn vermittelt offensiv Mitarbeiter an Dritte. Post und Telekom setzen auch Leiharbeiter ein, reden aber weniger darüber.

Dresden. Mittelständler, Betriebe des öffentlichen Nahverkehrs, Töchter der Deutschen Bahn – sie sind alle Kunden bei der DB Zeitarbeit GmbH. „Wir vermitteln vom Lokführer über den Zugbegleiter bis zum Diplom-Ingenieur Fachkräfte für Technik und kaufmännische Bereiche“, sagt die Geschäftsführerin der DB Zeitarbeit GmbH, Ursula Ebert. Jede fünfte Nachfrage käme „von außen“, rund 80 Prozent aus dem Bahnkonzern. Der Mittelständler auf Suche nach einem Ingenieur für ein Einzelprojekt sei ebenso willkommen wie öffentliche Verkehrsbetriebe. Mit vierzehn Regionalbüros wirbt die Bahn offensiv für die Dienste ihrer Mitarbeiter. Die jüngste Filiale öffnete kürzlich im Bahnhof Dresden-Neustadt.

Eigener Haustarifvertrag

Bezahlt wird das Leasing-Personal nach einem Haustarif, der den Angaben nach etwa fünf Prozent unter dem des Bahnkonzerns liegt. Weil aber nach Stunden bezahlt würde, kämen die Zeitarbeiter auf etwa das gleiche Einkommen wie die Kollegen im Mutterkonzern, so Ebert. Etwa jeder Dritte der 1 600 Zeitarbeiter ist Bundesbeamter mit speziellem Dienstrecht. Organisatorisch unterstehen die Beamten der Bahn. Dienstherr ist über die Zwischenbehörde für das Bundeseisenbahnvermögen (BEV) das Bundesinnenministerium. „Die Beschäftigung der Beamten per Personalüberlassungsvertrag vom BEV trennt Arbeitgeberpflichten und Beamtenstatus deutlich“, lobt Ebert.

Für die anderen zwei Drittel geht es bei der DB Zeitarbeit ein bisschen wie in einer Drehtür zu. „Zwei von fünf Mitarbeitern sind nach einem halben Jahr in einem festen Job“, sagt Ebert. Mit einer Auslastung von 98 Prozent sind die Zeitarbeiter quasi unentwegt auf Achse. Die Bilanz sieht sie als „Erfolgsgeschichte“. Seit Gründung der Bahn-Tochter im Jahr 2001 wurden über 4500 Menschen „verliehen“.

Die Bilanz der Telekom AG wirkt differenziert: „Dauerhafte Arbeitsverhältnisse sind oberstes Ziel“, beschreibt die Sprecherin des Telekom-Konzerns, Corinna Kielwein, die Richtung für die rund 14 500 Mitarbeiter bei der Telekom-Tochter Vivento. Jeder Zweite arbeitet bei den Vivento-Sparten Geschäftskundenservice und technische Dienstleistungen. Von den verbleibenden 7300 Mitarbeitern ist mehr als jeder zweite Beamter. Ende vergangenen Jahres waren rund 2 600 Vivento-Zeitarbeiter ohne Job.

Beamte werden Lehrer

Für die West-Beamten hat sich die Telekom etwas einfallen lassen: Leute mit naturwissenschaftlichem Hintergrund sollen künftig an Berufsschulen unterrichten. „Rund 200 Beamte sind auf dem Wege, Lehrer zu werden, weitere 400 sind in der Auswahl“, sagt Kielwein. Mit 19 Universitäten existieren dafür Kooperationen. Von den rund 3000 an die Bundesagentur für Arbeit ausgesandten Beamten werden nur wenige dort bis 2010 arbeiten.

Im Post-Konzern spricht man über Leiharbeit verhalten. „Zeitarbeit spielt bei der Deutschen Post eine untergeordnete Rolle“, sagt Sprecher Uwe Bensien. Rund 1000 der 220 000 Beschäftigten seien bei der Postbank-Tochter Interserv aufgefangen. Bei den jüngsten Tarifverhandlungen mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi gingen diese Beschäftigten nach Gewerkschaftsangaben aber ohne Tarifvertrag heim.

 

Katlen Trautmann • Tel.: 0351 31 777 81 • Fax: 3222 375 4 357 • Funk: 0171 26 66 354 • Email: katlen.trautmann@t-online.de

 
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