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Sächsische Zeitung, April 2007

2. April 2007

Holzpreise steigen weiter
Von Katlen Trautmann


Dresden. Die Nachfrage nach Holz explodiert, und die Waldbesitzer in Sachsen kommen mit dem Liefern nicht nach. „Derzeit tobt ein Verteilungskampf“, sagt der Geschäftsleiter des Staatsbetriebes Sachsenforst, Hubert Braun.

Die Holzbranche ringt um jeden Festmeter, um die Verarbeitungskapazitäten von jährlich rund drei Millionen Kubikmetern auszulasten. Angesichts steigender Gas- und Ölpreise liegen Holz- und Pelletsheizungen im Trend. In Deutschland werden jährlich 80Millionen Festmeter Holz geschlagen. Etwa ein Drittel davon wird verfeuert.

Die Nachfrage treibt die Preise. Brennholz kostet mit derzeit 25Euro pro Kubikmeter fast doppelt so viel wie vor drei Jahren, rechnete Braun auf der Messe „Forst und Holz“ am Wochenende in Dresden vor. Stämme beginnen bei 75 Euro pro Kubikmeter und können bei Spitzenqualitäten bis zu 10000 Euro kosten. Obwohl auch hierzulande der Orkan „Kyrill“ heftig wütete und viel Bruchholz hinterließ, bleiben die Preise oben – und werden weiter klettern, sagen Fachleute.

Rund 1,4 Millionen Kubikmeter Holz gingen während des Sturmes im Januar zu Boden. Das sind 40 Prozent mehr als die gesamte Jahresproduktion des Sachsenforsts. Doch „Kyrill“ hat das Angebot nicht vergrößert, sondern nur zeitlich vorverlagert. „Die Holzindustrie ist wie ein Staubsauger, der das Holz von Kyrill aufsaugt“, sagt Braun. Bestände aufgrund von „Kyrill“ werden zwischengelagert; so liegen auf dem Flugplatz im ostsächsischen Rothenburg 20000 Festmeter. „Der Holzpreis ist noch lange nicht am Ende. Nach der Aufarbeitung von ‚Kyrill‘ wird er weiter steigen“, prognostiziert Braun. Alles Staatsholz sei vertraglich vergeben.

Die sächsischen Sägewerke können rund 1,6 Millionen Festmeter pro Jahr verarbeiten, sagt der Chef des sächsischen Verbandes der Säge- und Holzindustrie, Jürgen Richter. Die Sägewerker rechnen damit, dass in diesem Jahr in Sachsen bis auf wenige Ausnahmen kein Holz mehr geschlagen wird.

Das sieht man beim Sachsenforst auch so. Es sei denn, Wetter und Borkenkäfer haben anderes vor. „Bei einem extrem trockenen Jahr bekommen wir ein Problem“, erklärt Braun. Dann müsse mit der Säge verhindert werden, dass der Wärme liebende Krabbler die Wälder zerfrisst.

Die Holzverarbeiter bekommen höhere Preise und Engpässe zu spüren. Die Klausner-Holz GmbH, die in Kodersdorf 220 Leute beschäftigt und eines der größten Sägewerke Sachsens ist, kauft zusätzlich Holz in Polen und Tschechien. Man verhandele zudem regelmäßig mit dem Sachsenforst, sagt Firmensprecher Michael Walewski. Ein weiterer Großverbraucher ist die Zellstoff Stendal Holz GmbH, Europas größter Zellstoffproduzent. Er kauft zunehmend bei Besitzern kleiner Parzellen. „Wenn uns Ende vorigen Jahres jemand einen Laster mit 30 Festmetern anbot, haben wir zugegriffen“, erzählt Sprecher Christian von Itzenplitz. Man kontaktiere Forstbetriebsgemeinschaften, um den Werksverbrauch von täglich 9000 Kubikmetern sicherzustellen. Zwei Drittel der jährlich benötigten drei Millionen Festmeter stammten aus Wäldern.

Die höheren Einkaufspreise landen früher oder später beim Kunden. „Wir geben die steigenden Kosten über die Zellstoffpreise weiter“, sagt von Itzenplitz. Auch Klausner-Holz geht Walewski zufolge „stellenweise“ diesen Weg. 70Prozent des in Sachsen verarbeiteten Holzes geht in den Export. Dennoch: „Heizen mit Pellets bleibt am preiswertesten“, rechnet Energieexperte Günter Keil vom Dresdner Informations- und Beratungsinstitut Energieeinsparung und Umweltschutz vor. Die Kilowattstunde aus Pellets kostet derzeit 3,8 Cent, die aus Heizöl 5,4Cent. Damit die Ölheizung ähnlich günstig wie Holz arbeitet, müsste der Liter etwa 30 Prozent weniger kosten. Der Liter Heizöl kostet derzeit 54 Cent. Pellethersteller und -händler stellen sich auf einen Ansturm ein. Die Biostoffverwertungsgesellschaft Klix GmbH in Großdubrau beispielsweise will künftig doppelt so viele Pellets wie bisher produzieren.

www.forsten.sachsen.de

www. ibeu-dresden.de

www.zs-holz.de

 

Katlen Trautmann • Tel.: 0351 31 777 81 • Fax: 3222 375 4 357 • Funk: 0171 26 66 354 • Email: katlen.trautmann@t-online.de

 
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